Druckansicht - Donnerstag 9. September 2010
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Übersicht
Mobilkom Austria Freizeitstudie 2005: Netzwerkkids im Spannungsfeld zwischen Schule, Freizeit und Job der Eltern

  

Auftraggeber/Fördergeber:

Mobilkom Austria

  

Art der Aktivität:

Österreichisches Forschungsprojekt

  

Dauer:

03/2005 - 05/2005

  

Kontaktperson am ÖIJ:

Ingrid Kromer

  

Projektleitung:

Österreichisches Institut für Jugendforschung

  

Arbeitssprache:

deutsch

  

Kurzbeschreibung des Projekts:

Das Österreichische Institut für Jugendforschung führte im Frühjahr 2005 mit rund 500 Kindern und Jugendlichen im Alter von 10-16 Jahren eine repräsentative Studie durch. Die Studie zielte darauf ab, das Wissen um die Lebenssituation(en) von Kids und ihre Einstellungen zu Freizeit, Schule, Zukunftsperspektiven sowie ihre Einschätzung bezüglich der Arbeitssituation ihrer Eltern zu erweitern. Die Ergebnisse wurden im Rahmen des Symposiums "Freizeit? Und Tschüss ..." Ende April 2005 der Presse und im ZOOM Kindermuseum präsentiert.

Quantität vor Qualität:
Netzwerkkinder sind mit der Anwesenheit der Eltern zufrieden.

Der absolute Großteil der Eltern - über drei Viertel der Mütter und so gut wie alle Väter - ist berufstätig. Jede dritte Mutter und neun von zehn Vätern arbeiten ganztägig. Doch die meisten Eltern können aufatmen: Die Kids sind zum größten Teil mit der Zeit, die ihre Eltern - vor allem die Mutter - mit ihnen verbringen, zufrieden: Vier Fünftel der 10- bis 16-Jährigen sind vollkommen zufrieden und meinen, dass ihre Mütter so gut wie immer für sie da sind, wenn sie sie brauchen. Etwas weniger - zwei Drittel - sagen das gleiche über das Zeitbudget des Vaters. Ein Drittel allerdings wünscht sich mehr Zeit mit dem Vater (mit der Mutter: 15 %). Nur ganz wenige fühlen sich eingeengt von den Eltern: 4 % beschweren sich, dass ihre Mutter zu viel Zeit mit ihnen verbringt (Vater 1 %).

So sehen's die Netzwerkkinder:
Arbeit und Familie für Mama wichtig. Papa setzt auf die Arbeit.

Für die Kinder und Jugendlichen ist klar: Mütter definieren zwar Arbeit als Teil von Lebensqualität - aber nur, wenn dies mit der Zeit für die Kinder vereinbar ist. Väter hingegen signalisieren ihren Kindern laut Studie, dass ihre Arbeit auf Kosten der Zeit mit dem Nachwuchs geht. Hier vermitteln die Väter ihren Kindern, dass für sie die Wichtigkeit der Zeit mit den Kindern abnimmt, je mehr sie arbeiten. Für Mütter hingegen bleibt die Zeit für die Kinder gleich wichtig - egal wie sehr die Arbeit in ihre Freizeit einfließt. Auch wenn die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verschwimmen, scheinen das die Kids eher weniger zu bemerken: In der Wahrnehmung der Kinder und Jugendlichen trifft es interessanterweise weniger zu, dass beide Elternteile am Abend oder am Wochenende arbeiten bzw. berufliche Anrufe in ihrer Freizeit erhalten.

Kontakt zwischen Eltern und Kindern:
Wenn mal nicht persönlich, dann enger Kontakt über's Handy.

Die absolute Mehrheit der Kids und Eltern hat ein Handy und kann so in Kontakt bleiben, wenn sie sich nicht persönlich sehen. So gut wie alle Kinder und Jugendliche sagen, dass beide Elternteile für sie telefonisch immer erreichbar sind. Das finden die Netzwerkkinder auch durchwegs gut so. Zusätzlich sehen es rund neun von zehn sehr positiv bzw. positiv, dass ihre Eltern sie jederzeit über das Handy erreichen können. Das ist auch der Grund Nummer Eins, warum sie überhaupt ein Handy haben: Damit ihre Eltern sie besser erreichen können.

Auch die Mütter, die nachmittags arbeiten, sind für ihre Kinder zum Großteil erreichbar. Knapp zwei Drittel können ihre Mutter in der Arbeit immer anrufen, knapp ein Viertel in Notfällen. Zusätzlich rufen 37 % der Mütter jeden Tag bzw. 45 % manchmal ihre Kinder aus der Arbeit an. Die Väter sind in der Arbeit etwas schwerer für ihre Kinder greifbar: Weniger als die Hälfte ist jederzeit in der Arbeit erreichbar, knapp ein Drittel für Notfälle. Eines von fünf Netzwerkkindern kann den Vater gar nicht in der Arbeit anrufen. Wenige Väter (8 %) melden sich täglich bei ihren Sprösslingen, 38 % rufen nie von der Arbeit aus an.

Freizeit: Entspannt, gestresst, gelangweilt?
Kids können sich gut entspannen - doch einige sind gestresst und überfordert.

Haben die 10- bis 16-Jährigen Freizeitstress? 85 % sagen nein, zumindest können sie sich in der Freizeit gut entspannen. Auch wenn zwei Drittel der Netzwerkkinder immer beschäftigt sind, fühlen sie sich dabei absolut wohl. Allerdings fühlt sich ein Drittel, d.h. jede(r) Dritte, überfordert: 33 % der Kids geben an, neben der Schule bzw. der Arbeit zu viele Verpflichtungen zu haben. Auf der anderen Seite ist scheinbar etwas mehr als ein Viertel der Netzwerkkinder unterfordert, sie langweilen sich in der Freizeit oft. Das dürfte aber vor allem für die Jüngeren ein Problem sein, jede(r) dritte 10- bis 11-Jährige langweilt sich oft, aber nur jede(r) fünfte 16-Jährige.

Die Hälfte der Netzwerkkinder hat nach eigener Aussage neben allen Verpflichtungen bis zu drei Stunden pro Wochentag Freizeit. Jeweils ein Fünftel hat weniger als zwei Stunden bzw. mehr als vier Stunden für sich. Vor allem die Jüngeren haben mehr Zeit: Je älter die Kids werden, desto weniger Freizeit bleibt ihnen.

Diese Stundenanzahl dürfte für den Großteil der Netzwerkkinder (hier vor allem für die Älteren) zu wenig sein: Mehr als die Hälfte hat oft bzw. manchmal zu wenig Zeit für Dinge, die er oder sie gerne macht. 14 % sagen sogar, dass ihnen so gut wie immer die Zeit für die Dinge, die sie gerne machen, fehlt. Nur rund jede(r) Siebte hat immer Zeit dafür.
Vor allem die Kinder und Jugendliche, bei denen beide Eltern am Nachmittag zu Hause sind, haben mehr Zeit für Dinge, die ihnen Spaß machen. Weniger Zeit haben jene, bei denen nur ein Elternteil zu Hause ist oder überhaupt kein Elternteil. Interessant ist, dass es hier keinen Unterschied macht, ob ein Elternteil oder gar kein Elternteil am Nachmittag zu Hause ist.

Mit wem die Kids ihre Freizeit verbringen:
Vor allem mit Freunden, aber auch mit Mama und mit festem Freund.

Unangefochten an der Spitze der Freizeitpartner stehen die Freunde: Drei Viertel der Kids verbringen ihre Freizeit hauptsächlich mit Freundinnen und Freunden. Erst an zweiter Stelle mit 21 % folgen mit großem Abstand die Mutter und Geschwister als Freizeitpartner. 12 % verbringen ihre freie Zeit mit der festen Freundin bzw. dem festen Freund. Erst an letzter Stelle folgt der Vater: Nur eines von zehn Netzwerkkindern verbringt seine Freizeit hauptsächlich mit dem Vater. Ein geringer Teil (8 %) verbringt seine freie Zeit hauptsächlich alleine. Während für die Älteren die Freunde und der feste Freund bzw. die feste Freundin immer wichtiger werden und die Familie in der Freizeit in den Hintergrund geraten, verbringen die Jüngeren noch eher ihre freie Zeit mit der Mutter und den Geschwistern.

Die Werte der Netzwerkkinder:
Freizeit ist sehr wichtig, Schule ein "notwendiges Übel".

Den Kindern und Jugendlichen sind zukunftsorientierte Werte am Wichtigsten, d.h. sie wollen Träume verwirklichen und ihre Zukunftsvorstellungen umsetzen. Direkt darauf folgen die freizeitorientierten Werte, d.h. dass sie genügend Freizeit haben wollen, das Leben genießen möchten und viele gute FreundInnen und Spaß im Alltag wichtig sind. Erst mit größerem Abstand folgen leistungsorientierte Werte, die mit der Leistung in der Schule und bei anderen Verpflichtungen zu tun haben. Wie Eltern darüber denken, das schätzen die Kids anders ein: Sie sind überzeugt, dass ihnen - vor allem den Vätern - die Leistung der Kids am Wichtigsten ist und freizeitorientierte Werte erst an dritter Stelle folgen. Bei einem Punkt sind sie sich aber mit den Eltern einig: Die Schule ist wichtig, um im Leben etwas zu erreichen.

  

Publikationen:

Endbericht: Mobilkom Austria Freizeitstudie 2005: Netzwerkkids im Spannungsfeld zwischen Schule, Freizeit und Job der Eltern



Übersicht

Österreichisches Institut für Jugendforschung, 1010 Wien, Maria-Theresienstr. 24/10, E-Mail: oeij@oeij.at
Österreichisches Institut für Jugendforschung, 1010 Wien, Maria-Theresienstr. 24/10, E-Mail: office@oeij.at